Ljungdalen ein Ort mit Geschichte

Über die Geschichte der Gegend rund um Ljungdalen gibt es kein deutsches "Standardwerk" bzw. soweit wir wissen gar kein Buch auf deutsch. Deshalb tragen wir hier stark gerafft zusammen, was man in schwedischen Quellen findet. Eine relativ ausführliche Darstellung auf schwedisch findet sich in "Ljungdalen - Storsjö. En berättelse in ord och bild om bygden vid Helagsfjället" von Per-Emil Lundhall und Hans E.C. Johansson.

Frühzeit

Pilgerwanderungen

Erste Besiedlung

Grubenepoche

Bauern- und Holzfällersiedlung

Straßenbau

Strom und Telefon

Frühzeit

Die Gegend ist mit Sicherheit seit ca. 3000 Jahren bewohnt. Dies kann man sehr eindrucksvoll an den "Steinzeitgemälden" von Elchjagden am Südrand des Flatruet sehen (übrigens eine schöne kleine Wanderung von Messlingen aus - insbesondere wenn man den Weg über den Aussichtspunkt Östra Stöljan wählt). In Ljungdalen und Umgebung gibt es eine Reihe von Hügelgräbern. Eines findet sich direkt gegenüber dem Gammalgård. Diese Gräber sind nicht systematisch wissenschaftlich ausgewertet, aber es wurden immer mal wieder Speerspitzen und Äxte aus der Frühzeit gefunden. Es handelte sich bei dieser Besiedlung wohl nicht um größere, feste Siedlungen sondern eher um sporadische Besiedlung zum Zwecke der Jagd.

Nach oben

Pilgerwanderungen

Um das Jahr 1000 hat es in größerem Umfang Pilgerwanderungen durch das Gebiet um Ljungdalen gegeben. Die Pilger hatten Trondheim als Ziel, wo sie die Heilige Brigitta verehrten. Sie folgten dem Ljungan und setzen ihre Wanderungen über Helags - Stugudal - Tydal - Neans fort. Hierdurch kam die Gegend erstmals nennenswert mit der Umwelt in Berührung. Im Fjällmuseum in Funäsdalen ist diese Epoche ausführlich (und mehrsprachig) dokumentiert. Zum Teil sind die Pilgerwege in den Fjällkarten markiert. Zum Wandern sind diese Wege sehr zu empfehlen, weil sie leicht gangbar sind. Denn die Pilger wollten nicht in die Natur genießen, sondern vorwärts kommen.

Nach oben

Erste Besiedlung

Der erste Einwohner von Ljungdalen soll nach alten Quellen ein Mann aus Norwegen gewesen sein, der in die Wildnis fliehen musste, weil er aus unbekannten Gründen in Ungnade gefallen war. Dies soll gegen Ende des 13. Jahrhunderts gewesen sein.

Ungesicherte Quellen berichten, dass es in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts eine Siedlung mit 14 Höfen in Ljungdalen gab, diese aber in Folge der großen Pestepidemie in der Mitte des 14. Jahrhunderts ausstarb.

Besser belegt ist, dass es ab 1650 eine feste Besiedlung in Ljungdalen gab. Ab 1735 gibt es in Ljungdalen mindestens 2 steuerpflichtige (also etwas wohlhabendere) Bauern.

Nach oben

Grubenepoche

1739 - 1740 begann eine neue Epoche für Ljungdalen. Im Fjäll westlich des Dorfes wurde Erz gefunden. Eine Same fand eine Kupfererzader am Vargtjärnstöten.

Gesteuert wurde der Erzabbau vom Ljusnedalsbruck - einer für die Zeit und Gegend sehr großem Metallhütte. Auch über Ljusnedalsbruck kann man sich in Funäsdalen im Museum informieren und restaurierte bzw. im Original nachgebaute Teile der Anlage werden einmal im Jahr an einem Juliwochenende von engagierten Laien in Betrieb gesetzt.

Ljusnedalsbruck kaufte Grund und Boden in Ljungdalen am Ljungan (Wasserkraft wurde für die "Maschinen" benötigt) und baute die nötigen Hüttenanlagen. 1745 - 1746 begann die Produktion. Es wurden 70.000 Reichtaler investiert, was für die Zeit eine sehr große Summe war.

Der Erzabbau in den oberirdischen Gruben fand in der schneefreien Zeit statt. In der Anlage wurde dann das Erz aus dem Gestein geschmolzen. Hierfür musste sehr viel Wald in Holzkohle verwandelt werden.

Im Winter wurde das Kupfer mit Schlitten über das Flatruet nach Ljusnedal gebraucht. Von dort wurde es - soweit es dort nicht zu Münzen verarbeitet wurde - über Falun und Hudiksvall per Schiff nach Stockholm gebracht.

Diese Aktivitäten gingen bis 1756 weiter. Vermutlich war das leicht zugängliche Erz dann ausgebeutet.

Nachdem die Anlage nicht mehr für Erzverarbeitung gebraucht wurde, entstand an gleicher Stelle eine wassergetriebene Sägerei und Kornmühle.

Nach oben

Bauern- und Holzfällersiedlung

Nach der Grubenepoche entwickelte sich Ljungdalen wieder entsprechend den natürlichen Gegebenheiten  - im Mittelpunkt standen Weidewirtschaft, Forstwirtschaft und Landwirtschaft.

Im 17. Jahrhundert entstanden nach und nach die Almen (schwedisch: vallen) rund um die Bergdörfer. Heute erinnern Namen wie Nyvallen, Kesuvallan oder Dalsvallen daran.

Im Sommer sollten sich die Tiere auf diesen Almen möglichst viel anfressen, denn im Winter gab es nicht immer genug und vor allem kein Futter von sehr guter Qualität. Einige Almen konnten jedes Jahr genutzt werden, andere Almen brauchten jeweils ein Jahr Ruhe, weil die Moore nicht genug Nahrung hatten. Diese Wirtschaftsform wurde bis in die 50 Jahre des 20. Jahrhunderts beibehalten.

Um 1850 veränderten sich Wirtschaft und Gesellschaft erneut deutlich. Damals begann die Landvermessung. Bis zu dieser Zeit hat jeder sein Haus dort gebaut wo es ihm sinnvoll erschien, und das Land genutzt, was er brauchte. Jetzt begann die Abmessung und die Almende (das Allgemeinland, dass in allen nordischen und keltischen Kulturen bis zur Einführung privaten Grundbesitzes üblich war) verschwand. Das Land um die vorhandenen Häuser wurde entsprechend den Bedürfnissen für Grund- und Boden sowie des Zugangs zu Wassers den Bewohnern zugeteilt. Alles andere Land gehörte dem Staat und wurde den Samen für Renwirtschaft überlassen.

Straßenbau

Wie isoliert Ljungdalen lange lag, wird an der Geschichte des Straßenbaus deutlich.

Zwar führten die historischen Wege der Pilger nach Röros über Ljungdalen, aber an das schwedische Straßennetz wurde Ljungdalen erst 1922 angeschlossen - und auch das nur nach großem Eigeneinsatz.

Die Straße von Åsarna sollte aus heute unbekannten Gründen eigentlich in Storsjö enden. Das war für die Dorfbewohner der beiden Dörfer aber unakzeptabel und so bauten sie die Straße in solidarischer Gemeinschaftsarbeit (ohne Bezahlung) weiter bis Ljungdalen.

Die von Süden über das Flatruet kommende Straße wurde erst 1938 gebaut. Bis dahin war dieser Weg nur ein Trittpfad, der eigentlich nur im Winter mit Pferd und Schlitten "gut" zu befahren war. Auf diesem Weg kam - ein Mal die Woche - bis zum Bau der Straße 1922 auch die Post von Funäsdalen nahc Ljungdalen. Daher wurde dieser Weg Postweg genannt-

Bis in die fünfziger Jahre gab es oben auf dem Flatruet sogar einen kleinen Kiosk. Dieser würde sich heute bei gutem Wetter sicher wieder lohnen - insbesondere, weil die Straße jetzt auch im Winter fast immer offen ist. Dies war früher anders. Bis Mitte der 80er Jahre war der Weg für Autos vom Schlagbaum in Skärkdalen bis zum Schlagbaum in Mittadalen von November bis zum 1. Mai gesperrt. Am Schlagbaum parkten dann Autos, deren FahrerInnen mit dem Motorschlitten weiterfuhren und dann auf der anderen Seite von Bekannten abgeholt wurden.

Da durch die Fahrt über das Flatruet die Fahrt in den Süden Schwedens um eine Stunde verkürzt wird, gab es sowohl für den Tourismus wie für die Versorgung der Einheimischen ein großes Interesse an einer auch im Winter offenen Straße.

Zuerst war der Kampf der Schneeräumer gegen den Schnee häufig vergeblich. Da das Flatruet ja eine fast 10 km lange Ebene ist, reichte wenig Wind und Schneefall um die in den Schnee gegrabene Straße wieder zu schließen. Die Schneeräumfahrzeuge wurde immer größer und schneller, aber wenn das Flatruet einmal dicht geschneit war, dauerte es im günstigsten Fall nach Ende des Schneefalls einen Tag die Straße wieder zu öffnen.

Einen richtigen Durchbruch gab es erst 2007. Seitdem baut man aus dem Problem Schnee die Lösung. Es wurde eine riesige Raupe beschafft, die ca. 100 Meter links und rechts des Weges den Schnee zu hohen Bergen zusammenschiebt und so Windzäune errichtet. Dadurch ist so wenig Schnee auf der eigentlichen Straße, dass ein Schneeschieber sie "leicht" frei halten kann. Jetzt ist die Straße nur noch gesperrt wenn es so doll weht, dass  die Autofahrer nicht mehr von einem zum nächsten Wegpfeiler gucken können und die Gefahr groß ist, dass man vom Weg abkommt. Die Wegpfeiler stehen in einem Abstand von ca. 50 Metern.

Bei windigem Wetter bleibt die Fahrt abenteuerlich und man ist immer irgendwie froh wenn man drüben ist. Wenn das Wetter klar ist, ist der Blick auf die Berge unbeschreiblich schön. Und da die Straße über lange Strecken schurrgerade ist, dürfen auch die FahrerInnen ein wenig den Blick schweifen lassen.

Bilder vom Flatruet finden Sie hier

Ein Video über den Winterweg über das Flatruet finden Sie hier

Nach oben

Strom und Telefon

Mitte der 20er Jahre kam das Telefon nach Ljungdalen. Bedingung des "Reichstelefons" war, dass die Dörfer die Pfeiler für die Linie liefern und für die Telefongesellschaft kostenfrei aufstellten. So geschah es und Ljungdalen wurde an das Reichnetz angeschlossen.

An der Stelle an der am Ende der Grubenepoche eine Sägewerk entstanden war, wurde nun ein E-Werk an den Fluss gebaut. Zu Weihnachten 1922 wurden die Turbinen angeschlossen und in den Häusern konnten die Kabit-Lampen durch elektrische Lampen ersetzt werden.

Dieses Kraftwerk wurde bis Mitte der 60er Jahre betrieben.

1946 wurde "Storsjö Elektriska" gegründet. an der Gesellschaft waren auch viele Ljungdalener beteiligt und der Strom kam von einem Kraftwerk in Tännes. Hierfür wurde die erste E-Leitung über das Flatruet gebaut. Später ging diese Gesellschaft in "Härjeåns Kraft" auf. Heute versorgt das Netz  von Herjeån alle Orte in der Landschaft Härjedalen (also auch Ljungdalen, obwohl Ljungdalen zur Gemeinde "Berg" gehört).

Nach oben

 


Bilder und Webkam
Väder
Gästbok / Gästebuch Forum
Veckokalendern Wochenkalender
Geschichte
Samen und Rentiere
Home
Aktivitäten
Neuigkeiten
Service vor Ort
Reisewege
Wetter

Aktuelles Bild und Wetter

Website-News
 Ljungdalen Videos
Linksammlung

(Keywords)